Zwei Wochen Roadtrip durch die atemberaubende Wildnis Kanadas, Nächte unter Sternen, Sonnenaufgänge an Gletscherseen und Bärenbegegnungen am Abend. Mein Roadtrip durch Alberta war ein Abenteuer, wie ich es schon lange vorhatte. In diesem Artikel zeige ich dir meinen genauen Routenverlauf, nenne meine persönlichen Highlights für Foto- und Naturfans und gebe dir Tipps zur Planung – damit dein Kanada-Abenteuer genauso unvergesslich wird.
Für einen Roadtrip durch Alberta ist Calgary für viele der perfekte Ausgangspunkt und das aus gutem Grund: Der internationale Flughafen ist sowohl für Übersee- als auch Inlandsflüge optimal angebunden, und wer direkt in die kanadische Wildnis starten möchte, ist von hier aus in wenigen Stunden inmitten der Rockies.
Wir sind zu zweit unterwegs und haben uns über Avis einen VW TAOS gebucht. Ein kompakter SUV, der genügend Platz bietet und robust genug ist, um auch mal eine nicht asphaltierte Straße ohne Sorgen befahren zu können.
Und bevor du jetzt weiterliest. Die nächsten 14 Tage sind so nur möglich, wenn du die entsprechenden Camping- und Backcountryplätze ergattern kannst. Und das ist teilweise schwerer als an Taylor Swift Konzertkarten zu kommen. In wenigen Tagen folgt der passende Blogpost zu diesem Thema! Trag dich daher unbedingt in den Newsletter ein, um nichts zu verpassen.
Da wir es kaum erwarten können, die Berge zu sehen, lassen wir Calgary selbst aus und fahren lediglich an den Stadtrand, um uns in einem großen Supermarkt und einem Outdoorgeschäft mit allem Nötigen für die kommenden zwei Wochen einzudecken: Wasserkanister, Snacks, Gaskatuschen, Lebensmittel, Bärenspray.
Anschließend geht es direkt auf den Trans-Canada Highway (Highway 1), die Fernstraße, die sich wie ein roter Faden durch viele der schönsten Landschaften Kanadas zieht. Unser erstes Ziel: Canmore, ein gemütliches Bergstädtchen am Rande des Banff-Nationalparks. In Canmore selber gibt es zahlreiche Optionen für die erste Nacht. Wir haben uns für ein Motel entschieden, um einem möglichen Jetlag in einem richtigen Bett (das letzte für die nächsten 2 Wochen) entgegenzuwirken. In der Stadt gibt es zahlreiche Restaurants: Ich kann vor allem das BLAKE Restaurant Brewhouse empfehlen.
Der Wecker klingelt früh, noch vor 5 Uhr. Aber dank Jetlag ist das gar nicht so schlimm. Unser Ziel ist der East End of Rundle (kurz: EEOR), ein markanter Gipfel oberhalb von Canmore. Der Plan: Den Sonnenaufgang über dem Bow Valley fotografieren, während sich das erste Licht über die Rockies schiebt. Und was soll ich sagen, es ist jede Mühe wert.
Es gibt einen kleinen Parkplatz in unmittelbarer Nähe zum Trailhead. Unbedingt früh da sein, da die Plätze sehr begrenzt sind. Die Zufahrt erfolgt über eine Gravel Road.
Um mit dem Auto in diesem Bereich um Canmore parken zu dürfen, ist ein Kananaskis Conservation Pass erforderlich. Den Pass kann man entweder online oder direkt an einer Ranger-Station im Park kaufen. Der Preis beläuft sich auf 15 CAD pro Tag und Auto oder auf 90 CAD pro Jahr. Lohnt sich damit also erst ab dem 7. Tag.
Der Trailhead liegt direkt an der Spray Lakes Road. Der Weg ist nicht offiziell ausgeschildert, daher lohnt sich ein vorheriger Blick auf Komoot oder AllTrails. Den Einstieg kann man dank bunter Bänder an den Büschen gut erkennen.
Der Hike ist kurz, aber anspruchsvoll: ca. 5 km (hin und zurück) bei rund 900 Höhenmetern, mit steilem Anstieg über loses Geröll und schmalen Pfaden. Trittsicherheit und gute Schuhe sind Pflicht. Um die Aussicht wie auf meinem Foto zu bekommen, muss man übrigens nicht ganz nach oben. Auf ca. der halben Strecke kann man diesen tollen Ausblick bereits genießen. Wir haben unser Frühstück direkt mitgenommen und die ersten Sonnenstrahlen auf der Haut genossen!
Jetzt geht es aber wieder nach unten, zurück nach Canmore. Im Anschluss heißt es: Sachen im Motel packen und Abfahrt Richtung Lake Louise und des Banff-Nationalparks.
Hier haben wir für die nächsten fünf Nächte einen Zeltplatz am Lake Louise Soft-Sided Campground reserviert. Der Platz ist speziell für Zeltcamper oder kleinere Fahrzeuge ohne festen Aufbau gedacht und bärenabgesichert: Der gesamte Campingplatz ist von einem Elektrozaun umgeben, was schon etwas für das Sicherheitsgefühl beiträgt. Gerade in der Hochsaison ist eine frühzeitige Buchung unbedingt nötig, da der Platz oft Monate im Voraus ausgebucht ist.
Auch für den Banff-Nationalpark ist ein Pass nötig, um die Straßen und weiteren Einrichtungen zu nutzen. Entweder 11 CAD pro Tag und pro Person oder 75,25 CAD pro Jahr kann dieser online oder bei der Einfahrt in den Park erworben werden. Es lohnt sich daher, für eine Reise ab 8 Tagen den Jahrespass zu kaufen, der dann auch für den Jasper-Nationalpark gilt. Dorthin geht es im Anschluss.
Für einen ersten Sonnenuntergang fahren wir zum Peyto Lake, der ca. 30 Minuten vom Campingplatz entfernt sehr einfach zu erreichen ist. Vom Parkplatz kann man in nur wenigen Minuten zu Fuß über einen befestigten Weg zum Aussichtspunkt gelangen. Folgst du dann einigen Trampelfaden, gelangt man außerdem zu einem weiteren Aussichtspunkt, der selbst zu Stoßzeiten deutlich leerer ist und eine noch bessere und freie Sicht auf den See bietet.
Ich bin ehrlich: Der Peyto Lake ist ein Ort, den ich mit meinem Auge super gerne ansehe, mich jedoch mit der Kamera extrem schwer tue. So richtig kann ich mich mit den Perspektiven nicht anfreunden und da ich selber auch nur eher selten in meinen eigenen Fotos bin, ist dieser Ort für mich einfach nur so zum Genießen. Sowohl der Sonnenaufgang als auch der Untergang sind hier übrigens suboptimal, da die Sonne sich dann immer hinter den Bergen versteckt. Es hilft aber den großen Massen an Besuchern aus dem Weg zu gehen!
Der dritte Tag beginnt früh, sehr früh: Um 3:30 Uhr klingelt der Wecker. Wer den Sonnenaufgang am Moraine Lake schon erleben durfte, weiß, dass sich aus dem Schlafsack Quälen lohnt und die Zeitverschiebung auch auf unserer Seite ist!
Früher war die Zufahrt mit dem eigenen Auto möglich, doch wegen des Besucherandrangs ist sie heute nur noch mit offiziellen Shuttles, geführten Touren oder dem Fahrrad möglich. Zum Schutz der Natur und für ein entspannteres und geordneteres Erlebnis, denn das Parkchaos davor war niemandem mehr zuzumuten.
Wir nutzen den Sunrise-Shuttle der Moraine Lake Bus Company. Wir haben ein paar Wochen vorher gebucht, was natürlich das Risiko birgt, dass genau an diesem Tag das Wetter schlecht ist. Mit etwas Glück bekommt man aber auch kurzfristig noch Plätze. Die Hin- und Rückfahrt kostet 54 CAD, wohingegen die Fahrt zum Sonnenaufgang erst bei 99 CAD je nach Tag in der Saison beginnt. Über diesen Link kannst du dir die verschiedenen Angebote ansehen und buchen. Dabei unterstützt du meine Arbeit auf diesem Blog über einen Affiliate-Link. Es lohnt sich auch immer wieder auf der Website für Coupons Ausschau zu halten!
Um 4:00 Uhr geht es von Lake Louise los. Müde, aber voller Vorfreude, mit Kamera, Stirnlampe und Thermoskanne. Am See angekommen, herrschen Stille, klare Luft und das beeindruckende Panorama der zehn Gipfel. Und es ist eiskalt! Es wirkt, als würde der Wind die extrakalte Luft der schneebedeckten Berge zu uns nach unten tragen, und da die Busfahrt nur wenige Minuten dauert, die Sonne jedoch erst gegen 6 Uhr aufgeht, heißt es nun warten.
Dann beginnt endlich das Schauspiel: Die Gipfel färben sich von Rosa zu leuchtendem Orange, und das Alpenglühen spiegelt sich im stillen Wasser, ein unvergesslicher Moment. Trotz der frühen Stunde und der Unflexibilität durch die Buchung der Shuttles sind rund 300–400 Besucher vor Ort, um das Naturschauspiel zu sehen.

Die beste Sicht auf den See bekommst du vom Aussichtspunkt, einem großen Steinhaufen, welcher sich unmittelbar in der Nähe der Bushaltestelle befindet. Es ist relativ wichtig, sich hier schnell eine Stelle auszusuchen, die einem gefällt, denn trotz der Unflexibilität mit den Shuttlebussen wird es hier morgens voll und jeder möchte natürlich den besten Winkel für sich.
Ab 10 Uhr öffnet der Kanuverleih. Leider nicht wirklich günstig mit 160 CAD pro Stunde und Kanu, aber das Gefühl, zwischen den Bergen zu paddeln, ist einzigartig und wenn man schon mal in einem Kanu sitzen möchte, dann ist das hier gar kein schlechter Ort. Ich habe mir das Geld gespart und stattdessen die anderen Leute mit ihren Kanus fotografiert. Denn ein richtiges Kanuabenteuer folgt sowieso noch!
Tagsüber lohnen sich Wanderungen wie der Consolation Lakes Trail oder der Larch Valley Trail, besonders im Herbst. Wenn du lieber unten am See bleiben möchtest, kann ich den Uferweg auf der rechten Seite empfehlen. Laufe einfach gemütlich bis zum Ende durch, genieß dein Frühstück und tanke die ersten Sonnenstrahlen des Tages. Hier ist es schon deutlich ruhiger als vorne am See!
Gegen Mittag fahren wir zurück nach Lake Louise, müde, aber glücklich. Der Sonnenaufgang war der erste Höhepunkt unserer Reise. Da unser Trip vor allem auf Fotos fokussiert ist, starten wir fast jeden Tag vor den meisten Besuchern im Park und genießen mittags die Ruhe auf leeren Campingplätzen, mit frisch gereinigten Sanitäranlagen.
Am Nachmittag steht der Johnston Canyon auf dem Plan. Ein Klassiker im Banff-Nationalpark, und das völlig zurecht. Die einfache Wanderung führt über Stege durch eine enge Schlucht, vorbei an türkisgrünen Pools, rauschendem Wasser und zwei beeindruckenden Wasserfällen. Die Wege sind sehr gut ausgebaut und ich würde behaupten, dass man es sogar mit einem Kinderwagen zu den Lower Falls schafft. Gute Schuhe sind dennoch ratsam, da der Weg an sich recht nass und matschig ist.
Die Lower Falls erreicht man nach etwa 1,2 km, inklusive kurzer Brücke und Tunnel zur Aussichtsplattform. Wer weiterläuft, gelangt nach weiteren 1,5 km zu den Upper Falls, die spektakulär in die Tiefe stürzen.
Orte wie dieser, die leicht zu erreichen sind, sind automatisch auch bei vielen Touristen sehr beliebt. Ich würde den Canyon daher tagsüber meiden und vor allem früh am Morgen oder am späteren Nachmittag (dann hat man auch noch genug Licht zum Fotografieren) hierhin kommen.
Eigentlich war unser Roadtrip durch Alberta als klassisches Sommerabenteuer geplant, mit warmen Temperaturen, T-Shirt-Wetter und Frühstück am Picknicktisch. Doch das Wetter hat andere Pläne. Statt der erwarteten 20 °C wachen wir auf unserem Campingplatz in Lake Louise bei 0 °C auf. Die Gipfel ringsum wurden über Nacht in Neuschnee getaucht, und eine kalte, feuchte Nacht liegt hinter uns. Spoiler: Wir müssen uns bessere Campingausrüstung in Banff kaufen!
Als ich vom Zeltplatz aus die Berge hinter Lake Louise im dichten Nebel verschwinden sehe, habe ich spontan entschieden: Lass uns zum See fahren. Und was für ein Glück das ist, denn die Stimmung ist einfach magisch. Tief hängende Nebelschwaden ziehen über das Wasser; die Berge sind erst nur schemenhaft zu erkennen; alles wirkt wie aus einer anderen Welt.
Auch Lake Louise ist inzwischen tagsüber nur noch mit einem Shuttle erreichbar (11 CAD pro Person), da der Ansturm im Sommer enorm ist. Die Zufahrt mit dem eigenen Auto ist nur sehr früh am Morgen oder eben spät am Abend möglich. Zudem wird hier eine Parkgebühr von 42 CAD pro Tag fällig. Damit ist es einer der wenigen Orte während unseres gesamten Trips, an denen zusätzlich zum Nationalparkpass eine Gebühr für das Parken anfällt.
Der Parkplatz liegt nur wenige Schritte vom See entfernt. Als wir ankommen, ist der Nebel so dicht, dass man kaum das Ufer sehen kann. Fast wäre ich wieder zum Auto, doch nach kurzem Warten reißt der Nebel plötzlich auf, und langsam geben die Wolken den Blick auf das Bergpanorama hinter dem See frei. Ein Moment, der für all die Kälte und das frühe Aufstehen entschädigt.
Und auch hier muss ich dich direkt in die Realität zurückholen. Auf Fotos und Videos wirkt dieser See absolut magisch und traumhaft. Die Realität? Verkehrschaos und Hunderte, wenn nicht vielleicht sogar tausend Menschen am Ufer. Ich war erschrocken, wie voll es an diesem kalten und nebeligen Morgen schon ist. Das ist der Preis, den man inzwischen zahlt, wenn man an Orte fährt, die durch Social Media so bekannt geworden sind und extrem schnell und einfach zu erreichen sind. Sei dir diesen Umstand also bitte bewusst und nicht zu enttäuscht, denn der See an sich ist natürlich schön, aber hier wird man vermutlich nie wieder alleine sein können.
Doch auch dafür gibt es natürlich eine Lösung! Lake Louise ist nicht nur ein Fotospot, sondern auch der perfekte Ausgangspunkt für einige schöne Wanderungen im Banff-Nationalpark, mit spektakulären Ausblicken, kristallklaren Bergseen und urigen Berghütten mitten in der Natur. Und wer in der Früh einen der begehrten Parkplätze ergattern konnte, sollte den Tag unbedingt am See und in den umliegenden Bergen verbringen!
Eine der beliebtesten Touren ist die Wanderung zum Lake Agnes Tea House. Der gut ausgebaute Trail beginnt direkt am Seeufer und führt in etwa 3,5 km stetig bergauf. Unterwegs passiert man den Mirror Lake und einen kleinen Wasserfall, bevor man am Ziel ankommt: Dem charmanten Tea House am Ufer des Lake Agnes, eingebettet zwischen steilen Felswänden. Dort werden hausgemachter Tee, Suppe oder ein Sandwich serviert, immer mit einem tollen Ausblick.
Wer noch mehr Höhenmeter zurücklegen möchte, kann von dort aus weiter zum Big Beehive wandern. Der zusätzliche Aufstieg ist kurz, aber steil, belohnt wird man mit einem atemberaubenden Blick über Lake Louise von oben. Die grün-blaue Farbe des Sees wirkt von hier aus fast surreal. Vor allem der Sonnenuntergang von hier oben ist ein Traum!
Herbert Lake, nur wenige Minuten hinter Lake Louise, direkt an dem berühmten Icefields Parkway gelegen, ist ein echter Geheimtipp für den Sonnenaufgang und vielleicht sogar eine lohnende Alternative zum oft überfüllten Lake Louise. Der See ist ruhiger, spiegelt die Berge wunderschön wider und hat seinen ganz eigenen Zauber. Dank des plötzlichen Kälteeinbruchs und des Neuschnees auf den Gipfeln herrscht an diesem Morgen eine traumhafte Stimmung, während die meisten Touristen wohl noch schlafen. Der Parkplatz liegt direkt neben dem See, und ein kleiner Pfad führt einen drumherum.
Eine tiefe Position mit der Kamera, nah an der Wasseroberfläche, hilft, eine noch bessere Spiegelung in deinem Foto zu erzielen. Der See ist durch die umliegenden Bäume recht gut geschützt und daher konnte ich hier vor allem morgens, auch beim Vorbeifahren, nahezu immer eine sehr gute Spiegelung sehen.
Nur eine kurze Autofahrt entfernt, im benachbarten Yoho National Park, liegt einer der fotogensten Seen der Region: Der Emerald Lake. Umgeben von dichten Wäldern und mächtigen Bergen macht er seinem Namen alle Ehre, denn besonders bei gutem Licht schimmert das Wasser intensiv smaragdgrün.
Unterwegs dorthin lohnt sich ein kurzer Stopp an der Natural Bridge, einer faszinierenden Felsformation, über die der Kicking Horse River mit voller Wucht stürzt. Ein gut zugänglicher Spot für ein paar schnelle, lohnenswerte Fotos.
Das Timing am Emerald Lake ist entscheidend: Direkt zum Sonnenaufgang liegt der See noch vollständig im Schatten. Erst etwa 1 bis 1,5 Stunden später beginnt das Licht, über die umliegenden Gipfel zu wandern; dann erstrahlt die Landschaft im warmen Morgenlicht, ideal für Spiegelungen und ruhige Wasseroberflächen.
Direkt am See gibt es mehrere Picknicktische mit traumhafter Aussicht: Perfekt für ein entspanntes Frühstück nach den ersten Fotosessions des Tages. Alternativ lädt das Café der Emerald Lake Lodge zum Aufwärmen ein, wenn es morgens noch frisch ist.
Nach dem Frühstück empfiehlt sich ein Abstecher zu den Takakkaw Falls, einem der höchsten Wasserfälle Kanadas. Der Name stammt aus der Sprache der Cree und bedeutet „es ist großartig“. Und das passt: Rund 380 Meter stürzt das Wasser tosend die Felswand hinab, oft begleitet von feinem Sprühnebel und, mit etwas Glück und je nach Sonnenstand, einem Regenbogen.
Die Anfahrt erfolgt über die Yoho Valley Road, eine kurvige, aber gut ausgebaute Straße. Aber Achtung: Für große Wohnmobile kann die enge Haarnadelkurve kurz vor dem Ziel knifflig sein und eine Durchfahrt ab einer gewissen Länge (die genaue Zahl habe ich leider nicht mehr im Kopf) ist untersagt. Vom Parkplatz führt ein kurzer Fußweg direkt zum Fuß des Wasserfalls, perfekt für einen Spaziergang mit großem Wow-Effekt. Und wer heute noch keine Dusche hatte: Man kommt wirklich direkt bis an den Wasserfall dran. Je nachdem, aus welcher Richtung der Wind kommt, wird man aber bereits auf dem Weg dorthin recht nass, da der Sprühnebel des Wasserfalls durch die Luft gewirbelt wird. Eine Regenjacke ist daher zu empfehlen.
Für Wanderfreudige: Vom selben Ausgangspunkt, auf dem Parkplatz des Takakkaw Falls, führt ein etwa 8 km langer Trail (hin und zurück) zu den Laughing Falls. Der Weg verläuft durch ein ruhiges Tal entlang des Yoho Rivers und ist technisch einfach, ideal für eine entspannte Halbtagestour. Am Ende wartet ein weiterer Wasserfall, deutlich weniger besucht, aber nicht weniger beeindruckend.
Kurz vor den Laughing Falls überquert man einen Backcountry-Campingplatz, welcher eine gute Basis für mehrere Tage hier in der Region ist. Entlang des Weges gibt es immer wieder Abzweigungen, die zu weiteren Highlights führen. Wer also noch mehr Zeit hat oder nicht so früh aufgestanden ist, kann hier weitere Ziele erkunden.
Wenn du etwas abseits der klassischen Banff-Highlights unterwegs sein willst, lohnt sich ein halber Tag im Kootenay-Nationalpark, nur etwa 30 bis 45 Minuten von Lake Louise entfernt. Der Park ist oft deutlich ruhiger, bietet aber dennoch beeindruckende Naturerlebnisse, die fotografisch absolut lohnenswert sind.
Erster Stopp: Der Marble Canyon, ein schmaler, tief eingeschnittener Kalksteincanyon mit türkisfarbenem Wasser, das tosend durch die enge Schlucht rauscht. Über mehrere kleine Brücken führt ein gut ausgebauter Weg direkt entlang der Felswände, mit spektakulären Blicken in die Tiefe. Gerade in den frühen Morgenstunden oder bei bedecktem Himmel leuchten die Farben hier besonders intensiv. Und ein Geheimtipp im Winter, denn das Wasser gefriert und der Canyon kann dann zu Fuß durch die Schlucht erkundet werden, vorbei an riesigen gefrorenen Wasserfällen.
Nur wenige Minuten weiter findest du die Paint Pots, eine kleine, aber faszinierende geothermische Zone mit eisenhaltigen Quellen, die leuchtend orangefarbenes Schlammwasser bilden. Die Gegend wurde bereits von den indigenen Völkern zur Herstellung von Pigmenten genutzt. Die Kontraste aus rostfarbenem Boden, grüner Vegetation und spiegelnden Wasserflächen bieten viele spannende Fotomotive, besonders bei sanftem Licht. Der Weg ist sehr gut ausgebaut und ähnelt eher einem entspannten Spaziergang.
Unser dritter Halt: Ein echter Geheimtipp ist eine unscheinbare Brücke über den Kootenay River, die sich am Parkplatz des Numa Creek Trails befindet. Von hier aus hast du einen beeindruckenden Blick auf den breiten, milchblauen Fluss mit seinen Stromschnellen, eingerahmt von dichter Waldkulisse. Der Kontrast zwischen dem ruhigen Flussufer und der Kraft des Wassers in der Mitte ist nicht nur visuell spannend, sondern auch akustisch eindrucksvoll. Solltest du für andere Perspektiven am Flussufer entlang laufen oder klettern: Bitte sei vorsichtig, denn die Steine hier sind extrem rutschig!
Wanderempfehlung: Der Floe Lake ist ein wahres Juwel. Während meines Besuchs im Park lag noch zu viel Schnee, deswegen haben wir uns gegen eine spontane Tageswanderung dort entschieden. Über 20 km mit 1000 Metern Höhenunterschied wandern für einen nahezu vollständig zugefrorenen See war es uns am Ende nicht wert. Ansonsten kann ich zu einem späteren Zeitpunkt im Jahr nur einen Besuch empfehlen! Um hier jedoch zelten zu dürfen, braucht man bei der Buchung des Platzes extrem viel Glück. Ich hatte es im Frühjahr probiert, aber ohne Erfolg.
Nach dem halbtägigen Abstecher in den Kootenay-Nationalpark bietet sich ein Halt im charmanten Bergstädchen Banff an. Dort gibt es viele Geschäfte (Hier musste ich mir für die kalten Nächte auch bessere Campingausrüstung kaufen) und Restaurants, sowie eine Einkaufsstraße, die zum Bummeln einlädt.
Die Vermilion Lakes liegen nur wenige Minuten außerhalb von Banff und sind besonders am Abend ein echtes Highlight. Die flachen Seen mit ihren Schilfufern spiegeln die Silhouetten der umliegenden Berge, allen voran den ikonischen Mount Rundle, der bei Sonnenuntergang oft in warmes Gold getaucht wird. Die Straße entlang der Seen ist einfach zu befahren, und es gibt immer wieder kleine Buchten mit Parkmöglichkeiten.
Ein paar Minuten weiter entfernt, aber ebenfalls gut erreichbar, liegt der malerische Two Jack Lake, ein ruhiger, glasklarer See mit offener Sicht auf die umliegenden Gipfel. Besonders eindrucksvoll ist hier der Blick auf den Cascade Mountain, der in der Abendsonne oft leuchtet. Viele Einheimische und Reisende kommen hierher, um zu picknicken, zu paddeln oder einfach nur still am Ufer zu sitzen. Die Atmosphäre ist friedlich und entspannt, ein schöner Kontrast zur Hektik des Alltags. Während der Anfahrt lohnt es sich übrigens die Augen aufzuhalten, denn entlang der Hänge kann man mit etwas Glück Bären und andere Wildtiere entdecken.
Ein echtes Highlight unserer Reise ist die Übernachtung am Lake O’Hara, ein abgeschiedener Ort, der nur wenigen (vor allem über Nacht) vorbehalten bleibt. Zugang ist nur per Wanderung oder mit einem der Parks Canada Shuttles möglich, die einen tief in den Yoho National Park hineinbringen. Der Bus hält direkt am Zeltplatz, wo wir unser Camp für die Nacht aufschlagen, einfach, aber traumhaft gelegen, mitten in der Natur. Nur das Wetter könnte besser sein: Tiefe Regenwolken, teilweise Nebelschwaden hängen in den Bergen und machen die Hoffnung auf den perfekten Sonnenuntergang zu Nichte.
Für eine Übernachtung und die Nutzung des Shuttle-Busses ist eine Reservierung nötig. Ergatterst du einen der wenigen Zeltplätze, ist der Bus inklusive. Alternativ kannst du in einer der teuren Hütten direkt am See übernachten. Ich hatte im Frühjahr bei der Buchung keinen Erfolg, habe dann aber wenige Tage vorher nochmal im System geschaut und konnte tatsächlich eine Stornierung für den Campingplatz ergattern!
Die Alternative, wenn du kein Glück hast: Die Schotterstraße (10 km lang und extrem langweilig), auf der auch der Shuttlebus fährt, muss hin- und zurückgelaufen werden, da es ansonsten nicht erlaubt ist, im Park zu zelten oder anders zu übernachten.
Schon der Lake O’Hara selbst ist ein Postkartenmotiv: Umgeben von schroffen Gipfeln, mit kleinen Hütten direkt am Ufer und einem Wasser, das bei Windstille glatt wie Glas ist. Besonders am frühen Morgen und am späten Abend, wenn kaum jemand unterwegs ist, wirkt dieser Ort besonders magisch.
Für die erste Wanderung entscheiden wir uns für den wohl bekanntesten Trail in der Gegend: den East Opabin Trail. 7,1 km lang mit ca. 350 Metern Höhenunterschied. Ein schöner Weg, der aber teilweise über loses Geröll führt und bei Nässe sehr rutschig ist.
Der Weg führt stetig bergauf bis zu einer Hochebene, von der man einen atemberaubenden Blick auf gleich mehrere Seen im Tal hat: Lake O’Hara und Mary Lake. Die Perspektive von oben ist besonders spektakulär und zählt definitiv zu den schönsten Panoramen des Yoho National Parks.
Die Lichtverhältnisse ändern sich hier je nach Tageszeit sehr schnell. Besonders stimmungsvoll ist der Hauptsee bei Sonnenaufgang, wenn die umliegenden Gipfel im ersten Licht leuchten und sich im ruhigen Wasser spiegeln. Vom Viewpoint finde ich persönlich den Sonnenuntergang bzw. den späten Nachmittag am besten, denn dann bekommt man Gegenlicht über die Gipfel, wenn es nicht wie bei uns durchgehend regnet.
Durchnässt und zumindest leicht angefroren geht es wieder zurück Richtung Campingplatz. Der Abend verläuft ruhig und gemütlich, die Stimmung fast andächtig. Kein Handyempfang, kein Lärm, nur die Geräusche der Natur und der leisen Konversationen in den kleinen Schutzhütten am Kaminofen, ein echtes Backcountry-Erlebnis, das lange nachhallt.
Nach einer ruhigen Nacht am Lake O’Hara geht es am Morgen mit dem Shuttlebus zurück in die Zivilisation. Der Abschied fällt schwer, die Stille, das klare Wasser, die majestätischen Gipfel– all das hätte man gern noch ein paar Tage länger genossen und vor allem bei besserem Wetter erlebt.
Eigentlich war noch eine Wanderung zum Oesa Lake geplant. 6 km und 300 Meter Höhenunterschied. Besonders bei Sonne glitzert der tiefblaue See besonders schön, und die umliegenden Gipfel wirken majestätisch. Die Sicht war leider nur so schlecht, dass man überhaupt keine Berge und eventuell auch den See selbst nicht gesehen hätte.
Also heißt es, packen und versuchen, die Ausrüstung möglichst trocken in die Rucksäcke zu bekommen. Glücklicherweise kann man den Shuttlebus als Camper sehr flexibel nutzen. Es gibt mehrere Abfahrtzeiten, die einem bei der Ankunft mitgeteilt werden. Dann gilt: Wer zuerst ansteht, bekommt auch den ersten Platz im Bus.
Das nächste große Kapitel unserer Reise wartet bereits: die Fahrt nach Jasper entlang des legendären Icefields Parkway. Dieser ist mehr als nur eine Straße; er ist ein Erlebnis für sich. Auf den rund 230 Kilometern zwischen Lake Louise und Jasper kommt man aus dem Staunen kaum heraus.
Hinter jeder Kurve eröffnet sich ein neues Panorama: ein Gletscher, ein Bergsee oder einfach nur die Weite, die sprachlos macht. Man möchte eigentlich alle fünf Minuten anhalten, um Fotos zu machen. Deshalb mein klarer Tipp: Plane den ganzen Tag ein, auch wenn die reine Fahrzeit mit 3 Stunden deutlich kürzer ist.
Etwa 30 Kilometer vor Jasper verändert sich die Landschaft merklich. Die Waldbrände des Sommers 2024 haben weite Teile der Region schwer getroffen. Verkohlte Baumstämme, kahle Hügel und der Kontrast zum noch grünen Rest der Natur hinterlassen einen bleibenden Eindruck, bedrückend, aber auch faszinierend.
Doch man sollte sich davon nicht abschrecken lassen: Die Natur kehrt bereits zurück. Erste grüne Triebe, Gräser und Blumen bahnen sich ihren Weg durch die Asche. Und trotz der Zerstörung hat die Gegend nichts von ihrer Faszination verloren. Viele Wanderungen, Seen und Aussichtspunkte sind weiterhin zugänglich und gerade diese Kontraste machen den Abschnitt zu etwas ganz Besonderem. Auch für die Einheimischen ist es wichtig, weiterhin in die Region um Jasper zu reisen, denn der Tourismus ist in dieser Region ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor, weswegen man hier als Tourist auch herzlicher als anderswo in der Welt begrüßt wird!
Mit der Fahrt weg von Lake Louise steht auch der nächste große Campingplatz auf dem Programm: Whistlers Campground ist vermutlich einer der bekanntesten um Jasper und liegt für alles, was die nächsten Tage auf dem Programm steht, optimal. Auch hier sind die Spuren des Waldbrandes zu sehen. Es gibt, nicht wie in Lake Louise, fast keine Bäume mehr, was zu einer deutlich spürbareren Windschneise führt. Pro Stellplatz hat man deutlich weniger Privatsphäre als auf anderen Campingplätzen in Kanada. Ich würde aber vermuten, dass in den nächsten Jahren jüngere Bäume gepflanzt werden, um den eigentlichen Charme dieses wunderschönen Ortes schneller wieder herzustellen.
Wer mal wieder etwas anderes als die typischen Gerichte aus dem Campingkocher essen möchte: In der Stadt Jasper gibt es, gleich wie in Banff, unzählige Restaurants, Geschäfte des täglichen Bedarfs und alles, was man sonst so benötigt.
Der neunte Tag meines Kanada-Roadtrips startet mal wieder verhältnismäßig früh und das ganz bewusst. Die Sunwapta und die Athabasca Falls gehören zu den bekanntesten Naturattraktionen entlang des Icefields Parkway und genau das macht sie zu beliebten Zielen für große Touristengruppen. Um die Wasserfälle in ihrer stillen, kraftvollen Atmosphäre erleben zu können, lohnt es sich, vor 9 Uhr vor Ort zu sein. Dann hat man mit etwas Glück den Steg an den Sunwapta Falls oder die engen Felswände an den Athabasca Falls ganz für sich allein. Vor allem wenn tagsüber die großen Reisebusse der Tagestouren ankommen, bin ich persönlich lieber woanders!
Beide Wasserfälle sind bequem von der Straße aus zu erreichen und auch ohne lange Wanderung eindrucksvoll. Das tosende Wasser, die engen Schluchten und das Lichtspiel (wenn es nicht gerade bewölkt ist) im Sprühnebel bieten ideale Bedingungen für Langzeitbelichtungen und ruhige Naturaufnahmen.
Am Nachmittag geht es nochmal in die Stadt Jasper, wo wir unsere Kanuausrüstung für das kommende Backcountry-Erlebnis bei Spirit Island abholen. Die Vorfreude steigt spürbar, wenn man bereits die Schwimmwesten und Paddel in der Hand hält! Denn in den nächsten Tagen werden wir weit abgelegen über den Maligne Lake paddeln und an einem der ikonischsten Orte Kanadas zelten. Doch bevor es losgeht, wartet noch ein ganz besonderes Erlebnis auf uns.
Wer Wildtiere in freier Wildbahn erleben möchte, ohne dabei zu stören oder Risiken einzugehen, sollte unbedingt die Maligne Lake Road fahren, und zwar am Abend. Die 44 km lange Straße beginnt in der Stadt Jasper und schlängelt sich durch Wälder, Täler und entlang von Seen bis zum berühmten Maligne Lake (wo wir morgen in See stechen werden). Glücklicherweise haben die Waldbrände nur den ersten Teil der Straße getroffen und so lassen wir die verkohlten Bäume schon bald hinter uns!
Starte im Sommer ab ca. 19 Uhr, dann werden die Tiere aktiver und die Lichtstimmung ist perfekt. Zwischen 20 und 21 Uhr, auf den letzten Kilometern vor dem See, hatten wir das Glück, mehrere Bären (Schwarz- und Braunbären), Elche und Rehe zu beobachten. Alles bequem und sicher vom Auto aus.
Kamera mit Teleobjektiv oder Zoom nicht vergessen. Die Tiere sind meist nah genug an der Straße, denn sonst würde man sie beim Vorbeifahren auch gar nicht entdecken. Wer den Luxus hat und zwei Kameras besitzt: Ich empfehle ein 24-70 mm und ein 70-200 mm oder größer Objektiv. So kann man flexibel wechseln, je nach Entfernung der Tiere, und verliert keine Zeit.
Du fragst dich, welche Fotoausrüstung ich nutze? Dann schau unbedingt mal bei diesem Artikel hier vorbei: Meine Kameras, Objektive & Drohnen für Reise- & Wildlifefotografie.
Aber bitte niemals aussteigen oder füttern, schließlich handelt es sich immer noch um Wildtiere. Die Straße ist ein echter Geheimtipp für Tierfotografen, vor allem am späten Abend, wenn kaum noch andere Fahrzeuge unterwegs sind. Achte bitte auch darauf, dass du vor lauter Freude nicht mitten auf der Straße hältst oder vergisst den Mietwagen in den Parkmodus zu schalten. In der Abenddämmerung geht es dann zurück zum Campingplatz. Und da man jetzt einen guten Eindruck davon gewonnen hat, was hier alles für Tiere rumlaufen, fährt man umso vorsichtiger bei Dunkelheit!
Das Kanu habe ich bei Wild Current Outfitters gebucht. Dort haben wir am Tag zuvor die Ausrüstung abgeholt und auch den Zahlencode bekommen, mit dem wir nun, selbst in den frühen Morgenstunden, am Ufer auf unser Kanu zugreifen können. Für die 2 Tage habe ich übrigens ca. 200 CAD bezahlt.
Dieser Tag führt uns tief in die kanadische Wildnis. Auf dem Wasser, ganz ohne Motor, ohne Menschenmengen, nur mit Muskelkraft und Vorfreude. Am Morgen machen wir uns in Jasper auf den Weg zum Maligne Lake, um dort mit dem gemieteten Kanu in Richtung unserer Backcountry-Campsite aufzubrechen. Wir starten noch vor dem Sonnenaufgang, um die Motorboote, die tagsüber den See befahren, zu umgehen.
Unser Ziel: Eine der schönsten und abgelegensten Übernachtungen der Reise, nur einen Katzensprung vom weltberühmten Spirit Island entfernt. Die ersten 14 Kilometer auf dem See haben es in sich: Wechselnde Winde, phasenweise spiegelglattes Wasser, dann wieder kleine und sogar größere Wellen. Doch je weiter wir paddeln, desto stiller wird es, die Berge rücken näher, und die Geräusche der Zivilisation bleiben zurück. Nach ca. 3,5 Stunden erreichen wir unseren Campingplatz, der direkt am Seeufer liegt. Simpel, aber traumhaft schön.
Bevor wir uns ausruhen, heißt es: Lager aufbauen. Das Zelt wird gut befestigt, sämtliche Ausrüstung verstaut und alle Lebensmittel, wie vorgeschrieben, sicher in den stählernen Schränken untergebracht. In dieser Region sind Bären und andere Wildtiere keine Seltenheit, daher ist Sorgfalt bei der Lagerung essenziell für das eigene, aber auch das Wohl der Tiere! Den Nachmittag verbringen wir in unserem Lager, wer sich traut, kann in das wirklich kalte Wasser springen und sich im Anschluss am Lagerfeuer wieder aufwärmen.
Richtung Abend, wenn die letzten Shuttle-Boote zum Anfang des Sees zurückkehren und die Tagesgäste den See verlassen, beginnt die magischste Zeit: Die ruhigen Abendstunden auf dem Wasser. Wir paddeln jetzt noch die restlichen 1,5 Kilometer bis nach Spirit Island. Nun völlig allein auf diesem Abschnitt des Sees. Die tiefstehende Sonne tauchte die Felsen in warmes Licht, die Wasseroberfläche ist ruhig, und über dem Tal liegt eine fast meditative Stille.
Und zu meiner Überraschung: Wir sind komplett alleine bei Spirit Island. Die Insel selber darf nicht betreten werden, denn Geister der indigenen Bevölkerung sollen dort leben. Praktischerweise kann man den Bootssteg der Tagestour-Boote nutzen und so ganz einfach mit dem Kanu anlegen. Hier gibt es theoretisch sogar eine richtige Toilette, die auf dem Campingplatz ist mehr als rustikal (Plumsklo ohne Türe), leider war die Türe aber am Abend abgeschlossen. Jetzt haben wir genug Zeit, die vielen Perspektiven dieses Ortes ganz in Ruhe zu erkunden.
Am späten Abend ist die Chance auf gute Spiegelungen und weiches Licht besonders hoch. Auch morgens vor Sonnenaufgang lohnt sich ein früherer Paddelstart am Campingplatz für ganz besondere Lichtstimmungen. Für mehr Abenteuerfeeling in den Fotos bietet es sich an, wenn eine Person aus der Gruppe mit dem Kanu im Vordergrund ein wenig umher paddelt.
Und wie auf den Fotos zu erkennen, entsteht durch die Landzunge des Spirit Islands (ja, es ist gar keine richtige Insel) eine geschützte Bucht. Das bringt den Vorteil, dass man für die wichtige Perspektive auf die Insel eine höhere Chance auf Spiegelungen hat, auch wenn der See ansonsten nicht ruhig ist. Das ist bei den oberen Bildern im Hintergrund gut zu erkennen!
Der nächste Morgen am Maligne Lake beginnt erneut früh und natürlich nochmal mit einem Sonnenaufgangs-Paddel zu Spirit Island. Auch wenn ich auf etwas Sonnenlicht gehofft habe, so ist vor allem die Spiegelung in den frühen Morgenstunden nochmal deutlich besser gewesen, als am Abend zuvor.
Auch ohne perfektes Fotowetter lohnt es sich, noch vor den ersten Shuttlebooten zur Insel zu paddeln, sei es, um einfach nur dazusitzen, einen Kaffee zu kochen oder mit dem Gaskocher Porridge mit Ausblick zu genießen. Für mich ist es ein absolutes Highlight meiner Kanada-Reise, dieser Moment der Stille, mitten im Herzen der Rockies.
Zurück am Camp heißt es dann: Zusammenpacken, Zelt abbauen, Vorräte aus den Essensschränken holen, alles sicher und wasserdicht im Kanu verstauen, bevor es erneut auf die 14 km lange Rückfahrt über den Maligne Lake geht.
Und ja, man hat es gespürt: Die frühen Morgende, das Paddeln, die Abenteuer der letzten Tage, all das steckt langsam in den Knochen. Der Rückweg zieht sich, und es fühlt sich fast so an, als würde das Ende des Sees nie näher rücken, obwohl wir ununterbrochen weiterpaddeln. Aber Ankommen ist eben manchmal genauso wichtig wie Losfahren.
Gegen Mittag erreichen wir endlich wieder das Bootshaus, verstauten das Kanu, geben die Ausrüstung in Jasper zurück und machen uns auf den Weg zurück zum Campingplatz in Jasper, den wir durchgehend gebucht haben, auch während unseres Overnighters auf dem See, um jetzt auch tagsüber eine Anlaufstelle zu haben, wo wir für ein paar Stunden im Zelt die Augen zumachen können.
Nach etwas wohlverdienter Ruhe entscheiden wir uns spontan: Noch einmal raus zur Maligne Lake Road, in der Hoffnung, wie vor zwei Tagen, erneut Bären, Elche oder Rehe vor die Linse zu bekommen. Aber dieses Mal war es anders. Keine Tiere weit und breit. Egal, wie oft wir umgedreht haben, den so guten Abschnitt von zuvor mehrfach abgefahren haben, wir können nichts am Straßenrand entdecken.
Und genau das gehört auch dazu, wenn man Wildlife in freier Natur erleben möchte. Es ist nicht planbar. An einem Tag begegnet man Bären am Straßenrand und am nächsten Abend bleibt die Straße wie leergefegt. Am Ende geht es zurück zum Zeltplatz. Müde, aber zufrieden. Dankbar für das, was wir gesehen und erlebt haben, und mit dem Wissen: Nicht jeder Moment muss spektakulär sein, um unvergesslich zu bleiben.
Der Morgen beginnt, typisch für die kanadischen Rockies, mit Regen und grauem Himmel. Doch statt uns davon die Stimmung trüben zu lassen, nutzen wir den Schauer ganz bewusst: Für einen kurzen Abstecher zum Pyramid Lake, nur wenige Minuten hinter der Town of Jasper gelegen.
Dort gibt es eine fotogene Holzbrücke, die auf die kleine, bewaldete Pyramid Island führt. Ein Ort, den viele im Sonnenlicht erleben wollen, für mich aber ist er bei Regen fast noch schöner. Die feuchte Holzbrücke glänzt, die Wolken hängen tief in den Bergen, der See liegt still. Es entsteht eine ganz besondere, fast mystische Atmosphäre. Deshalb war das Timing für uns perfekt, denn bisher hatten wir diesen Ort ausgelassen und konnten ihn jetzt ganz in Ruhe genießen. Kein anderer Tourist weit und breit zu sehen, vermutlich alle in trockenen Cafés!
Doch Kanada wäre nicht Kanada, wenn das Wetter nicht überraschend wäre. Kurz darauf bricht die Wolkendecke auf, Sonnenstrahlen blitzten durch, ein erfreulicher, wenn auch typischer Wechsel in den Bergen. Gut für uns, denn es steht das Übliche auf dem Plan: Zelt trocknen, alles zusammenpacken, Ausrüstung verstauen und dann zurück auf den Icefields Parkway Richtung Lake Louise.
Die Rückfahrt nach Lake Louise ist natürlich erneut ein landschaftliches Highlight. Majestätische Berge, weite Täler, schneebedeckte Gletscher und Flüsse, die sich durch das Land schlängeln, auch beim zweiten Mal hat diese Strecke nichts von ihrer Wirkung verloren.
Am späten Nachmittag kommen wir also wieder am bereits bekannten Campingplatz in Lake Louise an. Für diese eine Nacht haben wir bewusst einen Puffer eingeplant, als Backup, falls wir in den ersten Tagen der Reise wegen des Wetters einen Sonnenuntergang oder Sonnenaufgang in Lake Louise und Umgebung verpasst hätten. Ab morgen steht das letzte große Abenteuer dieser Reise an und daher ist es allerdings auch ganz gut, nochmal in Lake Louise zur Ruhe zu kommen und sich für die letzten Tage zu stärken.
Sehr zu empfehlen ist die Fahrt entlang des Bow Valley Parkways für weitere Wildlife-Aufnahmen, mit einem Abstecher beim berühmten Güterzug-Lookout. Der Parkplatz ist direkt daneben gelegen. Einen festen Fahrplan gibt es jedoch leider nicht, weshalb man hier etwas Glück haben muss, den Zug zu erwischen!
Der letzte Abschnitt unserer Kanada-Reise steht bevor und was für einer! An diesem Morgen gibt es keine Sunrise-Mission, sondern wir packen bei Sonnenaufgang direkt unsere Sachen zusammen und bereiten alles für 3 Tage im Backcountry vor.
Denn heute geht es ins Wander- und Naturparadies Mount Assiniboine Provincial Park, ein Ort, der oft als das „kanadische Matterhorn“ beschrieben wird und mit seinen dramatischen Berglandschaften, alpinen Seen und endlosen Trails selbst in diesem reiseverwöhnten Land noch heraussticht.
Das Beste: Wir haben das große Glück, nicht die rund 30 Kilometer hineinwandern zu müssen, sondern können bequem mit dem Helikopter direkt in den Park fliegen. Ein Erlebnis für sich! In wenigen Minuten legen wir die Strecke zurück, für die andere oft zwei Tage brauchen, und bekommen dabei noch eine spektakuläre Vogelperspektive auf die Berge, Täler und Seen des Parks. Einen ausführlichen Blogpost zur Helikopterbuchung und allem drumherum gibt es natürlich auch bald!
Vom Helipad geht es dann zu Fuß weiter: Etwa zwei Kilometer mit dem Rucksack bis zu unserem Zeltplatz am Magog Lake, dem wohl bekanntesten Campingplatz im Park.
Und was für ein Ort das ist! Unser Zelt steht in erster Reihe, mit direktem Blick auf den mächtigen Mount Assiniboine, der sich markant über dem Tal erhebt. Und ich nehme eins vorweg: Wir werden drei Tage lang Kaiserwetter haben. Kein Wölkchen am Himmel, der Gipfel immer klar zu sehen – ein unglaubliches Glück, das wir so nicht erwartet haben und das in den kanadischen Bergen auch nicht selbstverständlich ist.
Nach dem Zeltaufbau: Wichtig: Nur ein Zelt pro „Stellplatz“ erlaubt, Verstauen wir wie vorgeschrieben all unsere Lebensmittel und Hygieneartikel in den bereitgestellten Food Lockers, denn auch hier gelten die Backcountry-Regeln. Aber lange können wir natürlich nicht stillsitzen. Noch am Nachmittag brechen wir zum ersten echten Highlight auf: Dem wohl berühmtesten Aussichtspunkt im ganzen Park.
Über den Trail in Richtung Nub Peak erreichen wir eine der klassischen Panoramapositionen (The Nublet), von der aus man den Mount Assiniboine gemeinsam mit den drei umliegenden Seen bewundern kann, bei untergehender Sonne, mit langen Schatten, leuchtenden Farben und einer Stille, die man nur dort oben findet. Die Wanderung ist ca. 7 km lang mit 350 Metern Höhenunterschied und sehr einfach zu bewältigen.
Wer den Sonnenuntergang am Nub Viewpoint erleben möchte, sollte früh genug loslaufen, nicht wegen der Entfernung, sondern wegen der Aussicht: Es gibt so viele Stellen, an denen man für Fotos anhalten möchte, da vergeht die Zeit wie im Flug! Die Kopflampe für den Rückweg im Dunkeln und das Bärenpay sind natürlich Pflicht!
Fotografisch ist hier für mich das Licht die größte Herausforderung, denn auf den Bergen ist es noch relativ hell und wenig farbig, während das meiste Licht bereits aus dem Tal verschwindet. Dies wird mit der Zeit immer dunkler, was meine Kamera bzw. ihren Dynamikumfang vor eine große Herausforderung gestellt hat. Daher muss ich jetzt rückwirkend sagen: Diese Stelle war für mein Auge spannender, als es ein Genuss war, dort mit der Kamera zu fotografieren. Aber das ist auch völlig okay!
Wir haben ja einiges erwartet auf dieser Reise, aber nicht das: Der 14. Tag steht leider ganz im Zeichen der Mücken. Und obwohl wir es uns selbst kaum erklären können, vermuten wir, dass die Kombination aus plötzlich gestiegenen Temperaturen und dem erst kürzlich geschmolzenen Schnee das perfekte Mückenwetter geschaffen hat.
Bereits beim Sonnenaufgang werden wir bei lebendigem Leib zerstochen. Es gibt wirklich kein Entkommen. Unser Plan für den Sonnenaufgang war eigentlich, früh zum Sunburst Lake zu laufen, ein traumhafter Spot, und ihn in nur wenigen Minuten vom Campingplatz aus zu erreichen. Doch schon dort haben wir festgestellt: Sobald man stehen bleibt, sind sie da.
Also machen wir uns relativ schnell wieder auf den Rückweg Richtung Zeltplatz, in der Hoffnung, dort ein ruhiges Plätzchen zu finden. Zu dem Zeitpunkt denken wir noch, dass es vielleicht mit dem See zusammenhängt. Aber auch dort ist die Realität ernüchternd: Verweilen ist unmöglich, ohne regelrecht attackiert zu werden.
Im Zelt auszuharren ist leider nur bedingt eine Lösung, denn mit der Sonne steigt die Temperatur im Inneren schnell auf Saunenniveau, und zu zweit ist es ohnehin extrem kuschelig im 2-Personen-Zelt + Gepäck. Also heißt es: In Bewegung bleiben, um den Mücken wenigstens ein bisschen zu entkommen. Aber auch das geben wir irgendwann auf, denn die Mücken sind über Nacht in jede Ecke dieser wunderschönen Region geschlüpft.
Unsere Rettung naht dann endlich am Nachmittag: Das kleine Café der Assiniboine Lodge hat heute geöffnet! Dort gibt es an Nachmittagen ohne Helikopterbetrieb zwischen 16 und 17 Uhr frischen Kaffee, selbstgebackenen Kuchen und unseren heiligen Gral: Mückenspray!
Wir haben nämlich keines dabei, ein riesiger Fehler, wie sich herausstellt. Auch in keinem der Foren, die wir vorab durchforstet haben, wurde wirklich darauf hingewiesen. Wir dachten: Hochalpin = mückenfrei. Tja… falsch gedacht. Daher unbedingt Mückenspray einpacken, wenn es für dich zum Mount Assiniboine geht! Und die Mitarbeiter der Lodge sind noch froh darüber, wie wenige Mücken derzeit in dem Gebiet sind. Für uns kaum vorstellbar, dass es noch schlimmer geht!
Mit dem Spray wird es immerhin etwas besser. Die Mücken schwirren zwar weiter um uns herum, stachen aber nicht mehr ganz so gnadenlos zu. Leider ist es da schon zu spät, unsere Körperer sind inzwischen ohnehin ein Flickenteppich aus Stichen. Und ich muss zugeben: Wäre das Café nicht offen gewesen, oder hätten wir kein Mückenspray von anderen Wanderern ausgeliehen bekommen, wäre ich eventuell freiwillig zurückgewandert und keine zwei weiteren Nächte dort geblieben. Denn es ist wirklich nur schwer in Worte zu fassen, aber es war die reinste Tortur.
Da uns die Mücken nun etwas mehr in Ruhe gelassen haben, sind wir nochmal zum Sunburst Lake gelaufen, der wirklich nur wenige Minuten vom Campingplatz entfernt liegt und sich sowohl morgens als auch abends anbietet! Jetzt kann man sich wenigstens wieder auf das Fotografieren und den Ausblick konzentrieren und dieses Panorama auch genießen!
Zum Abschluss unserer Zeit im Park wollen wir nochmal etwas Besonderes erleben: Wir entscheiden uns, den Nub Peak Trail erneut zu besteigen, diesmal zum Sonnenaufgang. Die Seen rund um den Campingplatz haben wir ja inzwischen zu jeder Tageszeit fotografiert, also ist es an der Zeit, die Perspektive vom ersten Abend bei völlig anderem Licht festzuhalten.
Wie bereits erwähnt ist diese Location für mich eine echte Herausforderung: Die Gipfel werden auch morgens extrem hell angestrahlt, während die Täler tief im Schatten liegen. Gerade die Seen werden erst sehr spät von der Sonne erreicht, was es nicht leicht macht, eine ausgewogene Belichtung und eine stimmige Komposition zu finden.
Trotzdem ist es ein unvergesslicher Moment, das Alpenglühen von dort oben zu beobachten. Und obwohl auch andere auf dieselbe Idee kommen, ist es überhaupt kein Problem: Der Trail und der Grat bieten so viele Aussichtspunkte, dass man auch an gut besuchten Morgenstunden einen ruhigen Platz findet, um die Aussicht auf den majestätischen Mount Assiniboine zu genießen. Und so richtig voll kann es ja eh nicht werden, denn maximal die Leute vom Campingplatz und aus der Lodge schaffen es zum Sonnenaufgang hierhin. Es sei denn, man möchte 30km durch die Nacht wandern.
Wer also den Menschenmassen in Banff und Jasper aus dem Weg gehen möchte, ist auf den Backcountryplätzen richtig. Nur sind natürlich genau diese auch extrem beliebt!
Der Rest des Tages ist dann eher ruhig: Wir entspannen ein wenig am Campingplatz, denn die Mücken lassen uns inzwischen in Ruhe. Liegt eventuell an den 1293 Schichten Mückenspray, die sich auf der Haut angesammelt haben. Erkunden nochmal den Magog Lake aus nächster Nähe und beschließen, am Abend noch eine kleine Wanderung entlang des Wonder Pass zu unternehmen.
Dabei kommt es dann zum ersten richtigen Wildlife-Moment (außerhalb unseres Mietwagens) unserer Reise: Ein Grizzlybär kreuzt unseren Weg und zum ersten Mal nach 15 Tagen habe ich das Bärenspray wirklich aus dem Seitennetz des Rucksacks genommen und und entsichert in meiner Hand.
Zum Glück ist der Bär genauso wenig an uns interessiert wie wir an ihm. Er macht sich sofort davon, als er uns bemerkt, aber dieser Moment war eine wichtige Erinnerung: Wir sind hier draußen in echter Wildnis unterwegs mit echten, teils gefährlichen, Wildtieren. Daher ist es umso wichtiger einige Regeln zu beachten, um das Risiko möglichst zu minimieren. Auch hierzu folgt bald ein passender Blogbeitrag! Trag dich daher doch schon mal in den Newsletter ein, um nichts Neues zu verpassen.
Für den Wonder Pass bin ich ohne Kamerarucksack aufgebrochen, da ich die Aussicht und den letzten Abend in Kanada einfach nur mit meinen Augen genießen möchte. Vorbei an wunderschönen kleinen Seen, einem Wasserfall und durch Wälder aus Lärchen geht es hoch hinaus, immer mit dem Blick zurück ins Tal am Fuße des Mount Assiniboine. Am Scheitelpunkt des Anstiegs haben wir dann Kehrt gemacht und sind zum Camp zurückgelaufen. Bereit für die letzte Nacht im Zelt im Backcountry und für die letzte Nacht in einem Zelt auf dieser Reise!
Nach drei intensiven offline Offline-Tagen im Mount-Assiniboine-Provincial-Park geht es heute mit dem Helikopter zurück, raus aus der Wildnis, rein in die Zivilisation. Und obwohl wir uns über eine warme Dusche und ein richtiges Bett freuen, blicken wir mit wehmütigem Herzen und zerstochenem Körper zurück.
Wir hatten die vergangenen Tage wahnsinniges Glück mit dem Wetter und durften jeden einzelnen Tag diese spektakuläre Bergwelt in vollen Zügen genießen. Dass wir überhaupt einen der begehrten Permits bekommen haben, fühlt sich immer noch fast unwirklich an, viele versuchen seit Jahren, diesen Ort zu erleben. Und wir hatten das Privileg, drei ganze Tage hier verbringen zu dürfen.
Ein letztes Mal geht es für einen kurzen Abstecher zum Magog See, die letzten Minuten dieses Panorama genießen, bevor wir dann zum Helipad in der Nähe der Mount Assiniboine Lodge aufbrechen, wo wir auf unseren Abflug warten.
Zurück geht es über Canmore in Richtung Kananaskis, wo wir ein Hotel gebucht haben, strategisch nicht zu weit von Calgary entfernt, aber nahe genug, um flexibel zu bleiben, falls der Rückflug mit dem Heli wetterbedingt nicht stattfinden kann. Diese Unsicherheiten gehören beim Backcountry-Travel einfach dazu. Daher bitte auch niemals den Rückflug nach Deutschland auf denselben Tag wie den Helikopterrückflug legen. Notfalls muss man den Rückweg nämlich zu Fuß antreten, sollte der Helikopter nicht fliegen können.
Auf dem Hotelparkplatz haben wir erstmal unsere komplette Ausrüstung ausgebreitet, getrocknet, sortiert, geputzt, bevor wir ins Zimmer eingecheckt und den Komfort eines echten Betts und einer heißen Dusche genossen haben. Nach 15 Nächten in Zelt, Schlafsack & Co. ist das definitiv schon ein luxuriöses Gefühl.
Am 17. Tag geht es dann schließlich endgültig zurück nach Calgary, wo der Mietwagen am Flughafen abgegeben und die Heimreise nach Frankfurt angetreten wird. Im Gepäck: Dreckinge Campingausrüstung, unzählige Mückenstüche auf der Haut, tausende Fotos und am wichtigsten: Erinnerungen an einen Roadtrip, die man nicht mehr so schnell vergessen wird.
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Marcel
Hi! Ich bin´s Marcel. Fotograf und Reiseenthusiast aus Bochum. Schön, dass es dich auf meinen Blog verschlagen hat!