Polarlichter fotografieren: Der komplette Guide für Anfänger & Fortgeschrittene

In diesem Artikel lernst du, wie du Nordlichter fotografieren kannst: Von der Planung mit Tracking Tools über die richtige Fotoausrüstung bis hin zu optimalen Kameraeinstellungen und der Umsetzung vor Ort. Egal, ob du Anfänger oder Fortgeschrittener bist, dieser Guide hilft dir dabei, beeindruckende Polarlichtfotos aufzunehmen.

Die im Beitrag integrierten *Links zu meinem Kamera-Händler des Vertrauens: Foto Koch, sind Affiliate-Links. Ein Kauf hierüber unterstützt aktiv meine Arbeit hier auf Nomads Stories und ist für dich keinen Cent teurer. Vielen Dank!

Was sind Nordlichter?
Grundlagen zu Polarlichtern und Aurora Borealis

Polarlichter-fotografieren-Der-komplette-Guide-fuer-anfaenger-und-Fortgeschrittene-hamnoy
Polarlichter auf den Lofoten Inseln sind gepaart mit der Natur ein wahres Spektakel.

Nordlichter zählen zu den faszinierendsten Naturphänomenen der Erde. Für Fotografen sind sie ein absolutes Traum-Motiv, denn die tanzenden Lichtbänder am Nachthimmel sorgen für spektakuläre Farben und Strukturen. Bevor es an Tracking, Ausrüstung und Kameraeinstellungen geht, lohnt sich ein Blick auf die Grundlagen: Was genau sind Polarlichter, wie entstehen sie und unter welchen Bedingungen lassen sie sich am besten beobachten und fotografieren?

Wie entstehen Polarlichter?

Polarlichter entstehen durch die Aktivität der Sonne. Bei sogenannten Sonnenstürmen werden elektrisch geladene Teilchen ins All geschleudert, die mit hoher Geschwindigkeit auf das Magnetfeld der Erde treffen. Das Magnetfeld lenkt diese Teilchen in Richtung der Pole. Dort stoßen sie in der oberen Atmosphäre auf Sauerstoff und Stickstoff. Die dabei frei werdende Energie zeigt sich für uns als leuchtende Bögen, Vorhänge oder Spiralen am Himmel.

Da die Teilchen entlang der Magnetfeldlinien wandern, treten Polarlichter hauptsächlich in hohen Breiten auf. Deshalb sind Regionen wie Nordnorwegen, Island, Lappland, Alaska oder Kanada besonders bekannt für gute Nordlicht Chancen.

 

Der wissenschaftliche Begriff für Polarlichter lautet Aurora. Auf der Nordhalbkugel spricht man von Aurora Borealis, auf der Südhalbkugel von Aurora Australis. Physikalisch gibt es keinen Unterschied. Beide entstehen durch denselben Prozess in der Atmosphäre. Der einzige Unterschied liegt in der geografischen Lage und den möglichen Reisezielen für Fotografen.

Einmal im Leben sollte man die Chance ergreifen und einen Trip planen, um Polarlichter zu sehen!

Welche Farben gibt es bei Nordlichtern?

Nordlichter erscheinen nicht nur grün auch wenn diese Farbe am häufigsten fotografiert wird. Je nach Höhe und beteiligtem Gas entstehen verschiedene Farbtöne:

  • Grün durch Sauerstoff in etwa 100 bis 150 Kilometern Höhe

  • Rot durch Sauerstoff in größeren Höhen

  • Violett und Blau durch Stickstoff

Gerade schnelle Bewegungen und filigrane Muster machen die Fotografie der Aurora Borealis besonders spannend.

Wann und wo sieht man Polarlichter am besten?

Wer Nordlichter fotografieren möchte, braucht nicht nur Glück sondern auch gute Bedingungen:

  • Beste Jahreszeit für Nordlichter: Auf der Nordhalbkugel reicht die Saison meist von September bis März. Wichtig ist vor allem dunkler Himmel denn in den Sommermonaten verhindert die Mitternachtssonne oft jede Sichtung.
  • Einfluss von Dunkelheit und Lichtverschmutzung: Je dunkler der Standort desto besser sind Polarlichter sichtbar. Abgelegene Regionen ohne Städte und Straßenlaternen sind ideal für die Fotografie.
  • Rolle von Wetter und Sonnenaktivität: Klare Nächte ohne Wolken sind entscheidend. Zusätzlich erhöht eine hohe Sonnenaktivität die Wahrscheinlichkeit für intensive Displays. Später im Artikel lernst du, wie du mithilfe von Tracking Tools und KP Index gezielt planen kannst.

Die richtige Planung für die Polarlichter-Fotografie

Polarlichter-fotografieren-Der-komplette-Guide-fuer-anfaenger-und-Fortgeschrittene-tromso-fjorde-norwegen
Schöne Landschaften sind das Eine. Doch für tolle Polarlicht-Fotos müssen vor allem die Werte stimmen!

Nordlichter vorhersagen Tracking KP Index und Planung

Wer Nordlichter fotografieren möchte, sollte sich nicht allein auf Glück verlassen. Mit modernen Tracking Tools, Weltraum Wetterdiensten und Wetter Apps lassen sich Polarlichter heute erstaunlich zuverlässig vorhersagen. In diesem Kapitel lernst du, welche Werte wirklich wichtig sind und wie du deine Chancen auf spektakuläre Aurora Borealis Fotos deutlich erhöhst.

Warum Nordlichter Tracking so wichtig ist

Polarlichter können innerhalb weniger Minuten erscheinen und wieder verschwinden. Ohne Vorbereitung verpasst man viele Gelegenheiten. Durch regelmäßiges Tracking der Sonnenaktivität und der Bewölkung kannst du gezielt entscheiden, wann sich eine nächtliche Foto Tour lohnt.

Gutes Tracking hilft dir dabei:

  • die besten Nächte herauszufiltern

  • lange Wartezeiten zu vermeiden

  • flexibel auf kurzfristige Aktivität zu reagieren

  • deine Reiseplanung zu optimieren

Nochmal kurz durchatmen und die Fotos genießen. Jetzt wird es kurz etwas trocken!

KP Index erklärt Was bedeutet er für Fotografen

Der KP Index ist einer der bekanntesten Werte zur Vorhersage von Nordlichtern. Er beschreibt die geomagnetische Aktivität der Erde auf einer Skala von 0 bis 9.

  • KP 2 bis 3 reicht oft schon in Nordnorwegen oder Lappland für passable Sichtungen

  • KP 4 bis 5 ermöglicht Sichtungen weiter südlich oder spricht für eine höhere Aktivität im Norden

  • KP 6 oder höher sorgt häufig für spektakuläre Polarlichter

Wichtig ist jedoch zu wissen, dass der KP-Index nur ein grober Richtwert ist. Für Fotografen spielen weitere Faktoren wie das Wetter ebenso eine große Rolle.

Die besten Websites für Polarlichtvorhersagen

Mehrere spezialisierte Plattformen liefern aktuelle Daten zur Sonnenaktivität sowie Prognosen zur Aurora.

Beliebte Websites zum Nordlichter-Tracken sind:

  • NOAA Space Weather

  • SpaceWeatherLive

  • Vedur.is (Für Island vor allem)

Diese Seiten zeigen KP Prognosen Echtzeit Daten und Karten zur Ausbreitung der Polarlichter.

Im App- & Google-Play-Store gibt es unzählige kostenlose Apps zum tracken von Polarlichtern.

Apps zum Nordlichter Tracking

Für unterwegs sind Apps besonders praktisch, da sie bei steigender Aktivität Push-Benachrichtigungen senden. Beliebte Apps sind:

  • Aurora Now - Polarlicht

  • Polarlicht-Vorhersage

  • SpaceWeatherLive

Viele Fotografen kombinieren diese mit klassischen Wetter-Apps, um Wolkenbewegungen genau zu verfolgen.

Denn neben dem Weltraumwetter ist das lokale Wetter entscheidend für die erfolgreiche Polarlichtfotografie. Dienste wie Windy oder Meteoblue zeigen detaillierte Informationen zu Wolkenhöhen und -bewegungen. Damit kannst du spontan Standorte wechseln, um unter eine Wolkenlücke zu gelangen. Teilweise ist es aber auch sinnvoll auf nationale Wetterdienste zu setzen, da diese Informationen auf mich manchmal doch noch etwas genauer wirken! 

Die beste Fotoausrüstung für Polarlichter

Processed with VSCO with a6 preset
Auch von einem Schiff aus kann man mit etwas Glück gute Polarlichter Fotografieren.

Die richtige Fotoausrüstung spielt eine entscheidende Rolle wenn du Polarlichter erfolgreich fotografieren möchtest. Schwaches Licht kalte Temperaturen und wechselnde Intensität stellen hohe Anforderungen an Kamera und Zubehör. In diesem Kapitel erfährst du welche Ausrüstung sich für die Aurora Fotografie bewährt hat und worauf du besonders achten solltest.

 

Welche Kamera eignet sich für Polarlichter

Für Fotokameras gelten folgende Kriterien:

  • gute Leistung bei hohen ISO Werten (Software kann im Edit aber viel beheben)

  • großer Sensor für weniger Bildrauschen (Vollformatkameras bieten Vorteile bei schwachem Licht, doch auch APS-C- oder Micro-Four-Thirds-Modelle können sehr gute Ergebnisse liefern)

  • manueller Modus

  • RAW Aufnahme

  • lichtstarker Sucher oder Display

  • Ich nutze die Canon R5 MK II*

 

Grundsätzlich lassen sich Nordlichter mit jeder Kamera fotografieren die manuelle Einstellungen erlaubt. Und sogar mit dem Smartphone lassen sich tolle Aufnahmen erzielen!

 

Die richtigen Objektive für Aurora Fotografie

Für die Polarlichtfotografie sind Weitwinkelobjektive mit großer Blendenöffnung ideal. Sie erfassen viel Himmel und lassen dabei möglichst viel Licht auf den Sensor.

Meine Empfehlungen:

  • Brennweiten zwischen 14 und 24 Millimeter am Vollformat

  • Blende f/1.4 bis f/2.8 (Je größer die Blende desto kürzer kannst du belichten und desto schärfer bleiben die Strukturen der Nordlichter)

  • lichtstarke Festbrennweiten für maximale Qualität

  • Zoomobjektive für mehr Flexibilität

  • Bei mir im Einsatz ist das Canon RF 15-35mm f/2.8 *

 

Stativ und unverzichtbares Zubehör

Langzeitbelichtungen sind ohne stabiles Stativ unmöglich. Gerade bei Wind und Schnee zahlt sich ein hochwertiges Modell aus.

Unverzichtbares Zubehör:

  • stabiles Stativ mit gutem Kugelkopf (Zum Beisiel von PeakDesign*)

  • Fernauslöser oder Selbstauslöser

  • Stirnlampe mit Rotlicht

  • Mikrofasertuch

  • Powerbank

 

Akkus Kälte und Ausrüstung schützen

Kälte ist einer der größten Feinde deiner Fotoausrüstung. Akkus verlieren bei Minusgraden schnell an Leistung und können plötzlich leer sein.

Tipps für kalte Nächte:

  • mehrere Ersatzakkus mitnehmen

  • Akkus am Körper warm halten (z.B. in der Innenseite der Jacke)

  • beschlagene Objektive vermeiden (Kamera nicht zu häufig zwischen Innenräumen und dem Außenbereich wechseln)

  • Ausrüstung langsam akklimatisieren

So stellst du sicher, dass deine Technik auch bei arktischen Temperaturen zuverlässig funktioniert und du keine einmalige Aurora-Nacht verpasst.

Kameraeinstellungen für Nordlichter. Die richtige Basis

default
Die Kameraeinstellungen sind immer elementar, wenn es mit den eigenen Fotos klappen soll.

Um Nordlichter richtig zu fotografieren, brauchst du volle Kontrolle über deine Kamera. Automatikprogramme stoßen bei Dunkelheit schnell an ihre Grenzen. Mit manuellen Einstellungen, RAW-Format und sauberem Fokus holst du das Maximum aus jeder Aurora-Borealis-Nacht heraus und hast am Ende auch die volle Kontrolle darüber, was auf der Speicherkarte landet! 

 

Fotografieren im manuellen Modus und RAW-Format

Der manuelle Modus gibt dir die Freiheit ISO, Blende und Belichtungszeit exakt anzupassen. Da sich die Helligkeit der Polarlichter ständig ändert, ist Flexibilität entscheidend und gewisse Parameter sind einfach gesetzt für einen guten Startpunkt. 

Das RAW-Format speichert deutlich mehr Bildinformationen als das JPEG. Dadurch kannst du Farben, Kontrast und Rauschen in der Nachbearbeitung gezielt optimieren, ohne Qualitätsverlust. Generell empfehle ich daher immer im RAW-Format zu fotografieren!

Fokus bei Nacht richtig setzen

Der Autofokus funktioniert bei Dunkelheit oft unzuverlässig. Deshalb solltest du manuell fokussieren und dafür kann ich dir ein paar Tipps geben!

Suche dir einen Stern, der möglichst hell leuchtet. Wenn du jetzt die Live-View deiner Kamera über die Lupen-Taste vergrößerst, versuchst du diesen Stern wiederzufinden. Nun drehst du am Fokusrad deines Objektivs so lange, bis der Stern bzw. das Licht drumherum so klein wie möglich ist. Streut der Stern kein Licht mehr, so kannst du sicher sein, dass der Himmel im richtigen Fokus ist!

Kontrolliere die Schärfe der Sterne in deinem Live-View regelmäßig, da schon eine geringe Fokussänderung zu unscharfen Bildern führen kann.

 

Aber Achtung!! Wenn du zeitgleich auch versuchst, ein Gebäude oder etwas anderes im Vordergrund zu fotografieren und die Nordlichter darüber hinweg tanzen, so wird es mit einem einzelnen Foto schwer, sowohl den Himmel als auch den Vordergrund scharf zu haben. Sollten sich also Objekte relativ nah an deiner Kamera befinden, musst du eventuell zwei Aufnahmen machen und für jeden Bereich den Fokus setzen. 

Ein minimal falscher Fokus macht Nordlichter sofort unscharf, deshalb lohnt sich regelmäßiges Kontrollieren.

Empfohlene Startwerte für ISO, Blende und Belichtungszeit

Jede Aurora ist anders, doch mit bewährten Startwerten kommst du schnell zu guten Ergebnissen.

Typische Einstellungen:

  • Blende f/1,8 bis f/2,8 (Prinzipiell sagt man: Blende so offen wie es geht, damit du möglichst wenig ISO beisteuern musst).
  • Belichtungszeit 2 bis 10 Sekunden. Je langsamer sich die Polarlichter bewegen, desto länger kannst du theoretisch belichten. Manchmal ist die Aktivität jedoch so hoch, dass du das Tanzen mit bloßem Auge sehen kannst. Dann wäre es ratsam, kürzer zu belichten, damit sich die Formen nicht verwaschen. Überprüfe dafür einfach regelmäßig deine Aufnahmen. 
  • ISO 1600 bis 3200. Den ISO-Wert passt du eigentlich nur an die beiden anderen Parameter an. Ist dein Bild zu dunkel? Die Blende geht aber nicht weiter auf, und du willst auch nicht länger belichten? Dann ISO nach oben. Ist das Bild zu hell, weil du nun doch etwas länger belichtest? ISO runter. So einfach ist das! 

 

Nutze unbedingt den 2s-Auslöser in der Kamera oder einen Fernauslöser. Denn selbst wenn die Kamera auf ein Stativ montiert ist, sorgt das Auslösen bereits für Erschütterungen, was am Ende zu unscharfen Fotos führt. 

Polarlichter fotografieren Schritt für Schritt vor Ort

Wenn Planung, Ausrüstung und Kameraeinstellungen stimmen, beginnt draußen das eigentliche Abenteuer. Beim Fotografieren von Nordlichtern kommt es auf Flexibilität, schnelle Reaktionen und einen guten Blick für die Komposition an. In diesem Kapitel erfährst du, wie du vor Ort vorgehst, um beeindruckende Polarlichtfotos aufzunehmen.

 

 

Den richtigen Spot finden

Ein guter Standort ist entscheidend für erfolgreiche Aurora-Aufnahmen. Achte auf:

  • möglichst wenig Lichtverschmutzung. Das Stadtzentrum von Tromso in Norwegen ist weniger ideal, als einfach ein paar Kilometer aus der Stadt draußen zu sein. Hier ist die Lichtverschmutzung schon viel geringer. 
  • freie Sicht nach Norden. Wobei man sagen muss, wenn du einen guten Tag erwischt, dann sind die Nordlichter sogar direkt über dir und bahnen sich ihren weg sogar Richtung Süden. 
  • interessante Landschaft oder auch ein anderes Subjekt. In Norwegen bieten sich natürlich Fjorde mit ihren verschneiten Bergen, kleiner Fischerdörfer oder andere coole Location an. 

 

Im Idealfall scoutet man solche Orte bereits tagsüber, damit es Abends oder Nachts direkt losgehen kann, wenn die Nordlichter zu sehen sind. Denn: Wie wir bereits wissen, hängt ein gutes Bild am Ende vor allem an den äußeren Umweltbedingungen. 

 

Vorbereitung vor Einbruch der Dunkelheit

Je besser du vorbereitet bist, desto entspannter wird die Nacht. Pack dir auf jeden Fall etwas Warmes zum Trinken und gute Kleidung ein. Vor allem wenn man mit einem Mietwagen plant, mehrere Locations an einem Abend bzw. in einer Nacht abzufahren, wirst du stundenlang unterwegs sein, teilweise bei eiskalten Temperaturen.

Vergiss auf gar keinen Fall dein Stativ, und auch genug Ersatzakkus sind hilfreich, denn bei Kälte sinkt die Leistungsfähigkeit mancher Modelle doch recht stark. Ich lagere zum Beispiel immer mindestens einen Akku in der Innentasche meiner Jacke, sodass ich für den Notfall immer einen warmen Akku zur Hand habe.

Einen Fehler, den viele machen: Zu oft die Kamera zwischen der kalten Umgebung und wärmeren Umgebungen hin und her bewegen. Sei es der beheizte Mietwagen oder eine Unterkunft. Objektive beschlagen sehr schnell, wenn man sie zu schnell in unterschiedliche Temperaturen aussetzt, und es kann einige Minuten dauern, bis man wieder ein klares Foto machen kann. Wäre ja ärgerlich, wenn man deswegen einen besonders guten Moment verpasst, oder? Im Notfall einfach die Kamera auf dem Stativ draußen stehen lassen oder zumindest in einem kühleren Zwischenraum lagern. 

Kalte Temperaturen sind nicht nur für die Kamera eine Herausforderung!

Im Prinzip habe ich die Einstellungen bereits weiter oben beschrieben. Dieser Abschnitt dient jetzt nur noch als kurze Wiederholung. Falls du Polarlichter zum ersten Mal fotografierst, empfehle ich, die groben Einstellungen beispielsweise in einer Notiz auf deinem Handy zu speichern und erstmal genau damit anzufangen. Je nach Aktivität geht es dann so weiter:

Einstellungen bei schwacher Aurora

Wenn die Nordlichter nur schwach leuchten musst du mehr Licht sammeln.

Typische Anpassungen:

  • ISO erhöhen
  • Belichtungszeit verlängern
  • Blende vollständig öffnen

 

Achte jedoch darauf, die Belichtungszeit nicht zu stark zu verlängern sonst verschwimmen feine Strukturen sehr schnell. 

 

Einstellungen bei starker und schneller Aurora

Bei intensiven Displays mit schnellen Bewegungen solltest du kürzer belichten um Details einzufrieren.

Empfohlene Anpassungen:

  • Belichtungszeit auf zwei bis fünf Sekunden verkürzen
  • häufiger kontrollieren und nachjustieren
  • ISO reduzieren falls möglich (wenn das Foto zu hell ist)

So bleiben die typischen Vorhänge und Strahlen klar definiert und man fährt mit spektakulären Fotos wieder nach Hause! 

Bildgestaltung bei Nordlichtern - Komposition der Bilder

Technisch „korrekte“ Aufnahmen sind nur der Anfang. Wirklich starke Nordlichtfotos entstehen durch eine durchdachte Bildgestaltung. Vordergründe, Linien und Perspektiven helfen dabei, die Aurora Borealis in Szene zu setzen und dem Bild Tiefe und Spannung zu verleihen. Aber bleiben wir mal realistisch: Am Ende ist man erstmal dankbar und froh, dieses Spektakel überhaupt sehen zu dürfen. Wenn man dann noch das Glück hat, dieses für die Ewigkeit in einem Foto festgehalten zu haben, geht es doch kaum besser. 

Subjekte wie Bergketten und Dörfer lassen die Polarlicht-Fotos nochmal spannender aussehen.

Vordergrund sinnvoll einbauen

Ein interessanter Vordergrund macht aus einem reinen Himmelfoto eine echte Landschaftsaufnahme. Wobei man auch sagen muss, dass der Fokus für den Betrachter immer auf den Nordlichtern liegen sollte. Es bringt wenig, mit einer Taschenlampe ein Objekt im Vordergrund so stark anzustrahlen, dass es am Ende so doll ins Auge sticht, dass die Polarlichter ihre zentrale Rolle im Bild verlieren. 

 

Geeignete Vordergründe sind: Berge, Hügel, Schneefelder, Hütten, gefrorene Seen oder Wasserflächen für eine tolle Spiegelung. 

 

Leading Lines und Spiegelungen nutzen

Linien im Gelände können den Blick direkt in Richtung Himmel lenken. Typische Beispiele dafür: Straßen oder Wege, Flussläufe, Küstenlinien, Spuren im Schnee. Und wenn ihr bereits Spuren in den Schnee gestapft habt, dann stellt euch doch einfach auch mal selber ins Bild. Im Idealfall mit einer Taschen- oder Kopflampe, sodass ihr sogar noch einen coolen Lichtkegel entgegen der Polarlichtern erzeugt. 

 

Hochformat oder Querformat

Je nach Ausdehnung der Nordlichter lohnt es sich, beide Ausrichtungen zu testen.

  • Querformat eignet sich für breite Bögen am Horizont und sorgt auch dafür, dass man die Landschaft besser ins Bild einbeziehen kann. Seien es imposante Berge, ein Fjord oder ein ganzes Dorf. 
  • Hochformat passt gut zu senkrechten Strahlen und lohnt sich vor allem dann, wenn die Landschaft generell nicht so extrem spannend ist. 

Häufige Fehler beim Nordlichter fotografieren

Selbst mit guter Vorbereitung schleichen sich beim Fotografieren von Nordlichtern schnell Fehler ein. Oft sind es Kleinigkeiten, die darüber entscheiden, ob ein Bild spektakulär wird oder enttäuscht.

 

Zu lange Belichtungszeiten vermeiden Einer der häufigsten Fehler ist eine zu lange Belichtung. Nordlichter bewegen sich oft schnell und verlieren bei längerer Zeit ihre feinen Strukturen.
Unscharfer Fokus bei Nacht Ein minimal falscher Fokus macht das gesamte Foto unbrauchbar, daher regelmäßig im Live View die Sterne überprüfen. Autofokus immer deaktivieren.
Verwackelte Aufnahmen Auch mit einem Stativ können Erschütterungen entstehen. Durch Wind, Berührungen der Kamera beim Auslösen (Timer oder externer Auslöser nutzen), wackeliges Stativ
Beschlagene Objektive und leere Akkus Kälte und Feuchtigkeit sind unterschätzte Probleme bei der Polarlichtfotografie. Kamera und Linsen tendenziell länger im Kalten stehen lassen als regelmäßig reinholen. Ersatzakkus immer in einer Innentasche der Jacke aufbewahren.

Nachbearbeitung von Polarlicht Fotos

Bildschirmfoto 2026-01-30 um 20.07.49
Ich nutze Adobe Lightroom für die Bearbeitung meiner RAW-Fotos.

Die Arbeit endet nicht für alle nach der Nacht im Schnee. In der Nachbearbeitung lassen sich aus RAW-Dateien noch mehr Details, Farben und Kontrast herausholen, ohne dabei die natürliche Wirkung der Nordlichter zu verlieren. In diesem Kapitel erfährst du, worauf es bei der Bearbeitung von Aurora-Borealis-Fotos ankommt.

 

RAW-Entwicklung und Weißabgleich

Beginne immer mit der Entwicklung der RAW-Datei. Passe zuerst den Weißabgleich an, um die Farbstimmung des Himmels realistisch wiederzugeben.

In der Regel arbeite ich zunächst mit dem Weißabgleich. Wenn du den Regler dafür einfach mal stärker in die kalte und die warme Richtung bewegst, bekommst du schnell ein gutes Gefühl dafür, welcher Bereich natürlich aussieht und sich für dein Foto anbietet. Du willst Extreme auf jeden Fall vermeiden, denn vor allem wenn man das Glück hat und viele Nordlichtfarben auf einmal sieht, verliert man diese schnell bei einem unnatürlichen Weißabgleich. 

 

Kontrast Klarheit und Farben anpassen

Mit moderaten Kontrastanpassungen kannst du die Strukturen der Nordlichter noch deutlich besser betonen. Ich nutze dafür jedoch nicht den Kontrastregler direkt, da er auch die Farben im Bild verändert. Versuche stattdessen mithilfe der Lichter und Tiefen sowie der Weiß- und Schwarzregler einen guten Kontrast ins Bild zu bekommen. Alternativ kannst du die Gradationskurve nutzen und die typische „S-Form“ verwenden.

Was die Farben angeht, muss man direkt betonen: Nordlichter sind empfindlich! Wenn du zu sehr das Grün in Gelb oder das Rot in Orange ziehst, sieht man das super schnell im finalen Foto, denn die natürlichen und weicheren Übergänge zwischen den verschiedenen Polarlichtern werden dann härter und Farben wechseln abrupter, was unnatürlich aussehen kann.

Sei also behutsam, wenn du etwas an der Sättigung, oder auch an der Helligkeit der einzelnen Farben veränderst. Weniger ist mehr und das Spektakel am Himmel war ohnehin schon so gut, sodass man gar nicht mehr so viel machen muss!

Masken können dir dabei sehr gut helfen, nur bestimmte Bereiche im Foto zu bearbeiten. Beispielsweise willst du den Himmel mit hohem Kontrast versehen, die Berge im Vordergrund aber gleichzeitig aufhellen. Diese Trennung bekommt man am besten mit lokalen Masken (Himmel selektieren, Berge auswählen oder Verlaufsfilter und Radialfilter nutzen)

 

Rauschen reduzieren ohne Details zu verlieren

Das Problem ist bekannt: Die Fotos waren recht dunkel, daher musstest du den ISO-Wert nach oben schrauben. Jedoch sorgen hohe ISO-Werte für Bildrauschen, das in der Nachbearbeitung kontrolliert werden sollte.

Zum Glück gibt es in Programmen wie Lightroom inzwischen Plugins (von Haus aus), die sich um solches Bildrauschen bestens kümmern. Ich persönlich nutze dafür einfach das „Entrauschen-Tool“ von Lightroom selbst und schaue dann, wie das Ergebnis ausfällt. Ist das Foto zu weich, reduziere ich den Wert einfach etwas, denn ein bisschen Rauschen sorgt gleichzeitig für Schärfe im Foto.

Nach dem Entrauschen kannst du noch etwas Schärfe hinzufügen, denn die Luminanz des Entrauschens sorgt oft für zu weiche Kanten im Bild. Aber auch hier gilt: Die Balance muss stimmen. Du möchtest am Ende ja keine Artefakte erzeugen. 

Die besten Orte für Nordlichter

Polarlichter-fotografieren-Der-komplette-Guide-fuer-anfaenger-und-Fortgeschrittene-tromso-fjorde-norwegen-bergkette-frischerdorf-sonnenaufgang
Mein Favorit für Polarlichter ist und bleibt einfach der Norden von Norwegen.

Wer Nordlichter fotografieren möchte, sollte nicht nur Technik und Planung beherrschen, sondern auch die richtigen Reiseziele wählen. Einige Regionen liegen direkt innerhalb des sogenannten Aurora-Ovals und bieten besonders hohe Chancen auf spektakuläre Polarlichtnächte.

 

Nordnorwegen, sowie Schweden und Finnland Regionen rund um Tromsø Senja oder die Lofoten liegen perfekt für regelmäßige Sichtungen und bieten gleichzeitig spektakuläre Küstenlandschaften (Norwegen)
In Finnland und Schweden findest du weite Wälder, gefrorene Seen und kaum Lichtverschmutzung: Ideale Bedingungen für ruhige und intensive Nächte. Hier hatte ich in der Vergangenheit häufig mit Wolken zu kämpfen.
Island Island bietet dramatische Landschaften mit Wasserfällen, Gletschern und schwarzen Stränden. Die Kombination aus Vordergrund und Nordlichtern macht das Land für Fotografen besonders attraktiv, wobei die Aktivität etwas geringer ist als im Norden Lapplands.
Alaska Fairbanks, gilt als einer der besten Orte weltweit, um Nordlichter zu sehen und zu fotografieren, dank häufiger Aktivität und guter Infrastruktur. Für uns Europäer jedoch recht weit weg, nur um Nordlichter zu sehen. Da haben wir in unserem Norden glücklicherweise ebenfalls tolle Reiseziele.
Kanada Der Yukon sowie Teile der Nordwestterritorien bieten hervorragende Chancen und oft kristallklare Nächte. Ähnlich wie Alaska: Weit weg und für uns nur teuer zu erreichen, wobei sich Kanada, sowie auch Alaska natürlich auch aus anderen Gründen lohnen.
Bei dir zu Hause Tatsächlich kommt es auch immer mal wieder vor, dass wir Polarlichter in Deutschland und Österreich zu sehen bekommen. Es lohnt sich also auch für zu Hause eine Polarlichter-App regelmäßig im Winter zu checken, um das Ereignis nicht zu verpassen.

Fotografiere Polarlichter und Orcas gemeinsam mit mir

Polarlichter-fotografieren-Der-komplette-Guide-fuer-anfaenger-und-Fortgeschrittene-tromso-fjorde-norwegen-bergkette-frischerdorf-sonnenaufgang-schnorcheln-orca
Wer möchte, kann auch direkt ins Wasser springen und den Orcas so richtig nah kommen.

Viele der Bilder in diesem Blogbeitrag sind auf einer Reise mit Waterproof Expeditions nördlich von Tromsø entstanden. Wenn auch du Interesse am Fotografieren von Polarlichtern und Orcas hast, dann lass uns das doch einfach gemeinsam machen!

 

Vom 12. bis zum 18. November 2026 werde ich mit dem Boot Vikingfjord aufbrechen und Polarlichter, Orcas und die wunderschöne Natur Norwegens fotografieren. Es gibt noch ein paar Plätze, von daher schau doch einfach gerne bei Waterproof vorbei oder schreib mir auf Instagram, wenn du Fragen hast!

Ich müsste hunderte Fotos hochladen, um nur einen Bruchteil dieser besonderen Reise zu vermitteln!

Ich hoffe, dass ich dir ein wenig mit diesem Blogbeitrag helfen konnte! Du müsstest jetzt gerüstet sein, für die nächsten Polarlichter. Ob in Deutschland oder irgendwo im hohen Norden.

Hi! Ich bin´s Marcel. Fotograf und Reiseenthusiast aus Bochum. Schön, dass es dich auf meinen Blog verschlagen hat!

Inhaltsverzeichnis

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert